Zeit des Aufbruchs

Temporär zeigen wir in der Ostasien-Ausstellung ab 9. Dezember 2025 chinesische Malerei.

Im 19. und 20. Jahrhundert führten Handel und Kolonialismus dazu, dass das chinesische Kaiserreich vermehrt Kontakt zu Europa hatte. Während man sich in Europa der künstlerischen Moderne zuwandte, standen chinesische Maler:innen vor einer entscheidenden Frage: Wie konnten sie ihre reiche Tradition mit den neuen Stilen und Ideen verbinden? Die Antworten waren vielfältig: Einige übernahmen europäische Techniken, während andere bewusst an traditionellen Methoden festhielten. Diese Ära war nicht einfach durch den Gegensatz zwischen Ost und West definiert, sondern durch ein dynamisches Zusammenspiel verschiedener visueller Sprachen. Es war eine Zeit des lebendigen Austauschs, verbunden durch den gemeinsamen Wunsch, die Kunst der chinesischen Tuschmalerei einem globalen Publikum vorzustellen.

Die von Hiu Yeung Chan (Transcultural Studies, Universität Heidelberg) kuratierte Auswahl chinesischer Malerei des 20. Jahrhunderts zeigt Werke bekannter Künstler:innen, darunter Qi Baishi, Xu Beihong, Huang Binhong, Li Keran und Liu Guosong, die einflussreiche Beiträge zur Transformation der chinesischen Kunstszene im 20. Jahrhundert leisteten.

Hier stellen wir ein paar der ausgestellten Werke näher vor.

expressionistisch inspirierte Kiefer
Kiefer, Li Keran (1907-1989, 20. Jh. (Detail)

Die Kiefer steht für Langlebigkeit und Beständigkeit. Li Keran ist bekannt für seine dramatischen Licht-Schatten-Kontraste, die seinen Werken eine starke Ausdruckskraft verleihen und vom Impressionismus inspiriert sind. Er gilt als einer der bedeutendsten chinesischen Künstler der 2. Hälfte des 20. Jh. und prägte an der zentralen Kunstakademie eine ganze Generation chinesischer Künstler.

Tuschzeichnung Pferd
Grasendes Pferd, Xu Beihong (1895-1953), datiert 1938 (Detail)

Xu zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts in China. Berühmt wurde er vor allem durch seine kraftvollen Pferdedarstellungen, die vielfach als Allegorien auf das ersehnte Wiedererstarken der durch den Kolonialismus gedemütigten chinesischen Nation gedeutet wurden.

Kranich auf einem Kiefernast
Kranich auf einem Kiefernast, Qi Baishi (1864-1957), 1. Hälfte 20. Jh. (Detail)

Die Hängerolle zeigt in skizzenhaftem Stil einen weißen Kranich, der auf einem knorrigen Kiefernast steht. Kranich und Kiefer sind beliebte Motive der traditionellen Künste Chinas, die zumeist für den Wunsch nach einem langen Leben stehen.

Kuratoren

Dr. Georg Noack

Tel. +49.711.2022-408
Mail noack
@lindenmuseum.de

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Hiu Yeung Chan

Tel. +49.711.2022-430
Mail nazaruk
@lindenmuseum.de