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In unserer Dauerausstellung Ozeanien – Kontinent der Inseln eröffnet das Projekt Fühlbar hören einen neuen, barrierearmen Zugang zu zentralen Objekten – entwickelt nicht für, sondern mit den Menschen, für die Barrierearmut im Museum entscheidend ist.

Im Mittelpunkt des Projekts stand die aktive Mitentscheidung der Teilnehmenden: Blinde und
sehbehinderte Menschen sowie Menschen mit Lernschwierigkeiten wurden von Beginn an in Workshops einbezogen. Ihre Bedarfe, Wünsche und Kritikpunkte flossen direkt in die Konzeption ein.
Zentral für die Umsetzung waren folgende Kooperationspartner:innen:
Das Studio finster3000 (Tobias Haas, Yannik Kaiser und Samuel Weiss) brachte seine Expertise an der Schnittstelle von Architektur und Game Design ein. Neben den raumbildenden Elementen des Prototyps sind sie für die digitale Infrastruktur sowie die Gestaltung der Tastobjekte verantwortlich. finster3000 war frühzeitig in die Konzeptionsphase eingebunden und arbeitete eng mit dem Museumsteam zusammen um Inhalte, Medien und physische Stationen sinnvoll gemeinsam zu entwickeln.
Die Inklusionsexpert:innen Matthias Nagel und Carolin Schütz begleiteten das Projekt beratend. Sie halfen dabei, die grundlegenden Anforderungen für ein inklusives Vermittlungsformat zu definieren, und wirkten maßgeblich an der Gestaltung der Fokusgruppen-Workshops mit.
Matthias Nagel, Experte für Inklusion im Kunst- und Kulturbereich und Autor für Audiodeskription, unterstützte das Projekt mit seiner fachlichen und persönlichen Perspektive als blinde Person. Er bringt langjährige Erfahrung aus Theater, Medienpädagogik und musealer Audiobeschreibung ein.
Carolin Schütz, Teamleiterin bei capito Stuttgart, beriet (unter Einbeziehung der Zielgruppe) zur sprachlichen Barrierefreiheit undunterstützte bei der Konzipierung und Durchführung der Workshops für die Fokusgruppe mit Lernschwierigkeiten.
Drei Stationen – ein Prototyp für Teilhabe
Der entstandene Prototyp umfasst drei neu entwickelte Stationen. Hier verbinden sich haptische Repliken ausgewählter Objekte – darunter eine Giebelmaske, ein traditionelles Tätowierwerkzeug und ein Māori-Versammlungshaus – mit Audiotouren, die per NFC-Token aktiviert werden.
Diese Verbindung aus Tasterlebnis und Audiobegleitung schafft barrierearme, sinnliche Zugänge, die für Menschen mit und ohne Einschränkungen gleichermaßen erlebbar sind.
Die ausgewählten Objekte stehen für Themen, die weit über den musealen Kontext hinausweisen: Gemeinschaft, Identität und Schutz.
Indem Besucher:innen die Objekte anfassen, hören und erleben können, wird ein Museumsbesuch zu einer ganzheitlichen Erfahrung.
Innovation im Linden-Museum
Mit Fühlbar hören setzen wir einen wichtigen Schritt hin zu mehr Inklusion und Teilhabe in den eigenen Ausstellungen. Für unser Museum ist dieses Projekt ein bedeutender Innovationsschritt, der zeigt, wie Barrieren durch partizipative Zusammenarbeit abgebaut werden können.
Auszeichnung durch die Ferry-Porsche-Stiftung
Gefördert wird das Projekt durch die Ferry-Porsche-Stiftung im Rahmen der Ferry-Porsche-Challenge 2023. Das Linden-Museum erhielt einen der beiden mit je 50.000 Euro dotierten Sonderpreise – eine Anerkennung für sein besonderes Engagement in den Bereichen Inklusion und kulturelle Bildung.